Umgang Bregenzerwald

Der Umgang der Menschen im Bregenzerwald mit ihrer Umgebung ist Thema von eigens ausgezeichneten Wegen durch Dörfer der Region. Wer auf ihnen geht, erfährt an ausgewählten Objekten, wie die Menschen hier ihr Leben gestaltet haben und heute noch gestalten.

Umgang Bregenzerwald - 12 Dorfrundgänge
Die Wege des "Umgangs" vermitteln ortstypische Gestaltungsweisen im Wandel der Zeit. Sie sind an der Landschaft, an Häusern, öffentlichen Gebäuden und Nutzbauten ebenso zu entdecken wie an den Dingen des täglichen Gebrauchs. Auf dem Umgang durch die Dörfer lernt man den Umgang mit den Gestaltungsformen, die den Bregenzerwald prägen. Die 12 Dorfrundgänge führen in jeweils 1,5 bis 4 Stunden durch Au, Schoppernau, Mellau, Bizau, Bezau-Reuthe, Andelsbuch, Schwarzenberg, Egg, Lingenau, Langenegg, Hittisau und Krumbach. An jedem Weg lenken etwa 10 Infosäulen die Aufmerksamkeit auf ein Gebäude, auf Besonderheiten der Kulturlandschaft, auf handwerkliche oder ökologische Details, auf Facetten künstlerischen, kulinarischen oder touristischen

--> Termine "Umgang Führungen" Sommer 2017

Details zu den Objekten sind in einem begleitenden Folder beschrieben. Die Folder zum "Bizauer Umgang" erhalten Sie gerne kostenlos im Tourismusbüro Bizau.
Ebenfalls ist ein Folder Set mit allen 12 Wegen zum Preis von € 5,- sowie ein Buch mit Hintergrundgeschichten über die Bregenzerwälder Lebenskultur (inkl. Folder Set) für  € 29,- erhältlich.

Bizauer "Umgang"

In Bizau hat der im Bregenzerwald verehrte Dichter Gebhard Wölfle gelebt. Von ihm stammt das inoffizielle Motto der Bregenzerwälder: „Meor ehrod das Ault, meor grüoßod das Nü und blibod üs sealb und dor Hoamad trü.“ („Wir ehren das Alte und grüßen das Neue und bleiben uns selbst und der Heimat treu.“)

Dieser Spruch gilt auch für das zeitgenössische Bauen in der Gemeinde, für das sie den ARGE-Alp-Hauptpreis für moderne Architektur im ländlichen Raum erhalten hat: Die Jury lobte die schlichten, dem Dorfcharakter entsprechenden Neubauten. Sehenswert sind auch der typische „Hag“ (Zaun) und die Streuwiesen im Bizauer Moos.

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1. Gemeindeamt

Das neue Gemeindeamt wurde 1989 Zug um Zug mit dem rückwärtigen Feuerwehrhaus gebaut. Dabei entstand ein Paradox: das Straßendorf erhielt eine Ortsmitte. Der Kirche gegenüberliegend befinden sich in diesem Gebäude öffentliche Einrichtungen wie Gemeindeamt, Bank, Tourismus-Information und Bürgerservice unter einem steilen Dach. Auch eine Wohnung gibt es hier. Bemerkenswert sind die Arkaden an der Straßenseite. Sie öffnen sich beim Haupteingang nach oben zu einem lichten Treppenhaus. Die Holzfassade für ein öffentliches Gebäude musste sich anfangs Kritik gefallen lassen – heute ist sie unumstritten.

2. Kindergarten

Der Kindergarten gehört zu den mit Preisen ausgezeichneten Holzbauten. Für ihre Preiswürdigkeit gelten drei Voraussetzungen: Rücksicht auf das Umfeld, entsprechende Maßstäblichkeit und der Baustoff Holz. Solche Holzhäuser riefen noch in den 1980er-Jahren heftige Reaktionen hervor. Damals galt nur als ordentlich, was aus Stein oder Ziegel gebaut wurde. Holz betrachtete man als Baustoff für Bauern und arme Leute. Mittlerweile schätzt die junge Generation die Nachhaltigkeit eines Holzhauses und die Neugestaltung einer eigenständigen Bautradition. Exzellente Holzarchitektur gilt als ein Markenzeichen des Bregenzerwaldes.

3. Haus S.

Das Haus zeigt die Sorgfalt, mit der seine Bewohner über viele Jahre ihr Haus modernisieren. Sein Schindeldach ist heute ungewöhnlich, war aber einst die Regel. Es ist flach geneigt, um nicht durch Wind abgetragen zu werden, aber doch Wasser abzuleiten. Die Schindeln sind einen halben Meter lang, gut einen Zentimeter stark und werden vierfach übereinander verlegt. Sie stammen aus im Winter gefälltem Lärchenholz hochalpiner Regionen. Aus dem frischen Holz sägt man gleichmäßige Räder und spaltet aus diesen „Achtelkeile“ ab. Sie werden „geputzt“, also geglättet, und trocknen dann einige Wochen lang. Dann sind die Schindeln fertig.

4. Haus M. + W.

Im bäuerlichen Milieu entwickelte sich, durch die Barockbaumeister mit Baukunst vertraut und durch Musterbücher des 19. Jahrhunderts angeregt, eine feine Wohnkultur. Zentrum ist die Stube mit Täfer (hölzerner Wandverkleidung), Kachelofen, Kredenz, Wanduhr und einem Kanapee. Bauern fertigten an langen Abenden unzählige solcher Möbel, variantenreich und meist mit einer senkrechten Lehne: So saß man etwas steif. Die Jungen wohnen heute lässiger. Das Kanapee ersetzen häufig Couch, Matratzen oder Polster. Und die reich gestaltete Kredenz wurde durch eine Küche in anspruchsvollem Design abgelöst.

5. Holzzaun

2007 eröffnete die Gemeinde mit dem Holzzaun „Steackohag“ ein Landschaftsdenkmal. Ein Zaun als Denkmal? Was gibt es da zu bedenken? Zum einen wird ein besonderer Feldweg geehrt, die „Alpgasse“. Auf ihr wurde einst das Vieh auf die Alp getrieben. Zum andern erinnert er an die Zeit vor der Flurbereinigung. Damals prägten solche Zäune das Tal. Und drittens verweist er auf eine bestimmte Machart. Einst entstanden Zäune aus dem, was da war: aus Holz und der eigenen Arbeitskraft. Erst als die Bauern begannen, landwirtschaftliche Erträge zu Geld zu machen, konnten sie sich Stacheldraht oder wie heute Elektrozäune leisten.

6. Produktionshalle Wälderfenster

Diese Fertigungshalle aus 1995 war anfangs heftig umstritten. Bis dahin hatte man Werkstätten in Bregenzerwälderhäusern untergebracht. Hier handelt es sich um eine Halle von 20 mal 40 Metern Grundfläche. Die Halle wird durch Tageslicht beleuchtet. Ihre Stützen, die Fassade aus Fachwerkträgern und die Dachflächen bestehen aus Massivholz. Der Sägezahnform des „Sheddaches“ entsprechen die Zacken der Fassade mit ihren Fensterschlitzen. Sie gliedern den Bau, der damals am Ortseingang den Auftakt zum Straßendorf hintereinander gestaffelter Häuser bildete.

7. Biohotel Schwanen

Aus dem traditionellen Wirtshaus „Schwanen“, das seit 1860 besteht, ist ein Biohotel geworden. Wie früher legt man hier größten Wert auf eine enge Zusammenarbeit mit den Bauern in der Region. Aus dem, was sie liefern, schaffen die Köchinnen, die sich selbst „Wilde Weiber“ nennen, eigenwillige und manchmal auch überraschende Speisen. Sie setzen dabei Lebensmittel bewusst und achtsam nach ihren Wirkungen ein. Die „Wilden Weiber“ orientieren sich bei ihren Kreationen an regionalen und saisonalen Gegebenheiten. Es kommt also das auf den Tisch, was hier im Bregenzerwald zu je seiner Zeit gedeiht.

8. Totenkapelle

Anstelle des alten Kriegerdenkmals ließ die Gemeinde 1995 einen einfachen, geschützten Ort für die Aufbahrung anlegen. Lange wurde die Frage erörtert, was denn eine ortstypische Totenkapelle wäre. Der Architekt schlug ein Gebäude vor, das ganz auf seine eigentliche Bestimmung ausgerichtet ist. Nämlich ein Raum für Trauer und Besinnung zu sein, hell und ohne äußere Reize. Über ihm schwebt ein ausladendes Dach wie ein Baldachin bei einer traditionellen Prozession im Bregenzerwald. Davor steht eine von einem Künstler gestaltete Wand aus zwei Steinplatten, kreuzartig verknüpft. Ihre Fuge gibt den Blick aus der Kapelle nach draußen frei.

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